Es passiert immer wieder, sowohl bei Einsteigern als auch Fortgeschrittenen: Das Mundstück steckt fest und lässt sich einfach nicht mehr abnehmen. Hat sich geradezu unverschämt festgeklammert. Hier ein paar Gedanken dazu, wie du das Problem behebst und auf welche DIY-Rezepte du unbedingt verzichten solltest.
Check it: Was tun gegen ein feststeckendes Mundstück
- Nicht auf Comedy-Ratschläge hören
- Vorsicht beim Versuch mit der eigenen Muskelkraft
- Nicht mit Gummihammer das Rohr abklopfen
- Keine DIY-Lösungen
- Mundstückabzieher – sinnvoll und praktikabel
- Mythos Temperaturmethode
- Entgratung nur bei Fachleuten
Das Mundstück steckt fest, jetzt könnt ihr ein Loch in den Trompetenkoffer bohren oder euch eine vernünftige Lösung überlegen. Aber Achtung: Die kursierenden Halbweisheiten haben schon so manches Blasinstrument ruiniert. Viele der Ratschläge haben echten Comedy-Faktor. Ihr könnt und solltet die aus voller Überzeugung ignorieren. Und da wird’s auch gerne mal auf die Spitze getrieben.
Logisch; steckt das Mundstück fest, dürfen auch gerne mal lästernde Sprüche gekloppt werden. So zum Beispiel, die Trompete an einen Baum zu binden und das Mundstück mit einem Traktor runter zu zerren. Das Mundstück im Türrahmen einklemmen und die Trompete mit einer Rohrzange abzudrehen. Diese und weitere Kuriositäten macht ihr natürlich nicht. Wie aber kriegt ihr euer feststeckendes Mundstück nun runter?
Mundstück steckt fest: Gefahr der puren Muskelkraft
Benutzt du die Hände, darfst du keine übertriebene Kraft aufwenden. Zwar bestehen dein festsitzendes Mundstück und Mundrohr beide bekanntlich aus Metall. Man könnte vermuten, das sei natürlich schon naturgegeben unbedingt stabil. Nein, ist es nicht. Jedenfalls nicht so, dass man einfach dran rumrupfen und -biegen dürfte.
Mag sein, das Mundstück hält die rohe Umgangsweise vielleicht noch aus. Das Rohr allerdings kann leicht beschädigt, im schlimmsten Fall sogar verbogen werden. Schon kleinster Abrieb oder die winzigste entstehende Kante wirken wie eine fest angezogene Handbremse. Nix geht mehr.
Häufig wird geraten, das Mundstück mit einer leichten Drehbewegung einzustecken, damit es sich nach dem Spiel leichter wieder abziehen lässt. Die Betonung liegt auf „leicht“. Denn: Drehst du das Mundstück zu fest rein, kommt das einer Schraubbewegung gleich. Resultat wäre, dass es unnötig fest „geschraubt“ wird; das Mundstück steckt fest. Kann also auch keine sinnvolle Lösung sein.
Lieber Gummizelle als Gummihammer
Manche versuchen die Schwierigkeit zu beheben, indem sie beispielsweise mit einem kleinen Gummihammer vorsichtig (!) rundum auf das Mundrohr klopfen. Auch das macht bei Einsteigern wenig Sinn. Zunächst wisst ihr nicht, welche Kraft ihr für dieses „Vorsichtig“ aufwenden dürft. Ergibt sich nicht sofort ein Erfolg, klopft ihr vermutlich stärker drauf. Und irgendwann ist es dann eben zu stark und das Instrument beschädigt. Unverändert: Das Mundstück steckt fest. Vergesst den Unsinn.
Mythos der Temperaturmethode:
Theoretisch möglich ist es, das Mundrohr zu erhitzen, während dein feststeckendes Mundstück selbst kalt bleibt. Dadurch dehnt sich das Mundrohr aus und weitet sich ganz leicht. Der widerspenstige Kamerad kann abgezogen werden. Dass das funktionieren könnte, bleibt schon aus ganz pragmatischen Gründen blanke Theorie. Mit den technischen Möglichkeiten eines handelsüblichen Normalmenschen wirst bei zwei fest ineinander verkeilten Metallteilen kaum imstande sein, dass eine zu erhitzen und das andere eben nicht.
Mundstückabzieher – die sinnvollste Methode schlechthin
Wirklich sinnvoll ist nur ein Mundstückabzieher. Damit können auch mechanische und handwerkliche Laien die idealen Ergebnisse erzielen und mühelos das Mundstück wieder lösen. Das Mundstück steckt fest, also spannt ihr es mitsamt Instrument in den Abzieher ein. Beachten müsst ihr dabei, dass die Schrauben der Zwinge gleichmäßig angezogen werden, damit nichts verkantet. Anschließend wird das Mundstück abgezogen, ohne dass Rohr Schäden entstehen. Dies ist außer dem Besuch in der Reparaturwerkstatt die einzige vernünftige Möglichkeit. Und sogar eine äußerst zuverlässige.
Mundstück steckt fest: Die Frage nach dem Warum
Die Frage ist doch letztlich: Wie kommt es dazu, dass das Mundstück feststeckt. Und wie lässt es sich vermeiden, dass das immer wieder auftritt? Tritt das Problem trotz korrekter Handhabung auf, findet sich die vermutlich häufigste Ursache an der Mundstückaufnahme mitsamt Innenrohr. Das Innenrohr muss vollkommen kantenfrei und frei von Metallabrieb und sonstigen Rückständen sein. Eine Korrektur sollte ausschließlich von Fachkundigen durchgeführt werden.
Nur von Fachleuten: Mundstückaufnahme per Reibahle glätten
Muss hier nachgearbeitet werden, verwenden Fachwerkstätten und Instrumentenbauer meistens eine sogenannte Reibahle. Das ist ein spezielles Werkzeug für das Glattreiben von Bohrungen. Als Laie solltest du da nicht persönlich Hand bzw. Werkzeug ansetzen. Zu hoch die Gefahr, das Instrument zu beschädigen. Überlass das den Experten. Die wissen, wie das funktioniert.
Sitzt das Mundstück ohne Druck sofort fest, ist meistens der Konus nicht exakt passend. Kann auch sein, dass die Innenkante des Mundrohrs messerscharf ist. Auch das ist ein Thema für den Fachbetrieb.
Übrigens: Unsinnig ist eine weitere Trompeter-Eigenart. Manche setzen das Mundstück auf die Mundstückaufnahme und hauen dann noch mal mit der flachen Hand wie beim Klatschen drauf. Das Plopp-Geräusch zeigt hörbar, dass es nun festsitzt. Leider zu fest.
Es bleibt also dabei: Das Mundstück steckt fest? Dann hilft am allerbesten ein Mundstückabzieher, sofern du keine eigene Werkstatt für Blasinstrumente dein Eigen nennst und dazu auch weißt, was du tust! Alles andere können wir gerade Einsteigern und Fortgeschrittenen nicht empfehlen.